Die St. Andreas-Kirche
Der Kreuzweg in St. Andreas

Der Kreuzweg in der St. Andreas-Kirche in Helfe beginnt an der dem Altar gegenüberliegenden Seite und führt im Uhrzeigersinn in den Altarraum. Die vierzehn Stationen sind aus farbig gefassten, quadratischen Tontafeln, auf denen das Geschehen in einfachen Bildern dargestellt ist. Die abgebildeten Figuren und Gegenstände sind mit wenigen, dafür intensiven Farben gestaltet. So wirken sie auf den ersten Blick fast heiter naiv, doch auf dem zweiten Blick bergen sie eine tiefe Symbolik. Jesus wird durch die Farbe Purpur gekennzeichnet. Purpur war aufgrund seines hohen Preises nur für die Reichen und Mächtigen erschwinglich, so dass purpurfarbene Gewänder als Zeichen von herrschaftlicher Autorität galten. Damit wird auf den Tafeln die Göttlichkeit Jesu hervorgehoben. Durch das Blutrot der Wunden wird dies allerdings zunehmend mehr in den Hintergrund gedrängt. Noch ist Jesus ganz Mensch und muss wie jeder Mensch das Leid im wahrsten Sinne des Wortes ertragen. Als Kontrast wählte die Künstlerin für den Hintergrund einen dunkelgrünen Ton aus. Grün steht in der Farbensymbolik für die Hoffnung, welche sich durch das schlimme Geschehen der Passion hindurchzieht und dem Beter immer wieder ermutigt, dass alles am Ende zum Guten geführt wird.

Hier ein Überblick über die einzelnen Stationen:

 

1.Station: Jesus wird zum Tode verurteilt

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Pilatus führt seine Hände zu einer Wasserschüssel, die ihm von links entgegengereicht wird. Von unten strecken sich ihm Hände entgegen. Es wirkt, als wollen sie an der Zeremonie teilhaben und sich ebenfalls ihre Hände in Unschuld waschen. Die dominierende Person ist allerdings Jesus. Er steht mit demütigem Gesichtsausdruck und wehrlosen Händen, angetan mit einer Dornenkrone und von Wunden gezeichnet vor seinem Richter. Trotzdem wirkt er königlicher und erhabener als der Vertreter des Weltreichs Rom. Von links werden ihm eine geballte Faust und ein anklagender Finger entgegengehalten.

2.Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Gerade und doch gebeugt nimmt Jesus das Kreuz auf. Man spürt förmlich die Last, die nun auf seinen Schultern liegt. Der Blick Jesu geht nach unten. Mit seiner Körperhaltung nimmt er die Kreuzigung vorweg und vergegenwärtigt damit, dass es kein Entrinnen aus der Passion gibt.

3.Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Jesus kniet unter dem Kreuz. Sein Kopf ruht auf dem Balken. Fast zärtlich umfasst er das Holz mit seiner Hand. Ein Moment des Innehaltens auf dem weiteren Weg.

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Jesus steht unter dem Kreuz. Seine linke Hand hält den Querbalken, könnte aber auch ausgestreckt sein, um den Kopf seiner Mutter zu streicheln. Maria hat die Hände zum innigen Gebet gefaltet. Man vermag ihr Stoßgebet förmlich hören, so intensiv ist der Ausdruck ihres Gesichts. Der innere Zwiespalt zwischen der Begleitung des Sohnes in seinen schlimmsten Stunden und dem Wunsch, meilenweit weg zu sein, um das unerträgliche Leid nicht mitansehen zu müssen, ist in dieser Szene intensiv spürbar.

5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Jesus geht gebeugt unter dem Kreuz. Sein Kopf ist dem Boden zugewandt. Die Anstrengung des Tragens tritt deutlich hervor. Simons Gesicht ist ausdruckslos und es wird nicht deutlich, wie er zu dem Geschehen steht. Trotzdem hat er den Stamm des Kreuzes gepackt und hilft Jesus.

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Die Szene verschiebt sich nach links. Jesus wird wie auf der vorhergehenden Tafel dargestellt. Sein Gesicht ist von einem Schweißtuch verdeckt, welches ihm eine in weiß gewandete Frau reicht. Sie wendet den Blick von Jesus ab und schaut ins Leere. Sie scheint den Anblick nicht ertragen zu können, will Jesus aber dennoch helfen.

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Jesus kriecht förmlich unter dem Kreuz. Simon hält es mit starken Armen und versucht damit das Gewicht von Jesus zu lösen. Die Gegensätzlichkeit der beiden Figuren bezeugt eindringlich die Erschöpfung Jesus erschöpft ist. Mittleidig schaut Simon auf Jesus herab.

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Jesus steht wieder aufrecht am Kreuz gelehnt. Seine blutende Hand ist segnend einer weißgekleideten Frau zugewandt, die ihn bewundernd anschaut. Ihre Hände liegen auf dem Herzen. Sie weiß, wie kostbar dieser Moment ist. Doch gleichzeitig wird die Tragik dieser Begegnung deutlich, wenn der Blick zur Frau rechts gleitet, welche die Hände vors Gesicht geschlagen hat und sich dem Kummer hingibt. Jesus ist Gott und Mensch, Subjekt und Objekt des Geschehens.

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Die nächste Tafel zeigt, das aufrechte Stehen war nur ein Zwischenspiel, das Kreuz hat Jesus unter sich begraben. Während ihm zuvor noch Simon von Cyrene hilft, nimmt nun eine braungekleidete Person das Kreuz fort. Jesus ist nun in den Händen seiner Henker.

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Was vorher verdeckt war, kommt nun zum Vorschein, Jesus ist am ganzen Leib verwundet. Grob zieht der Henkersknecht an seinem Gewand. Jesus hält die Arme vor der Brust verschränkt. Eine gleichzeitige Geste der Resignation und des inneren Schutzes vor der äußeren Demütigung.

11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Jesus liegt auf dem Holz des Kreuzes, während der Henkersknecht ihn professionell den Nagel durch die Handgelenke treibt. Was von seiner Göttlichkeit bleibt ist ein purpurfarbenes Lendentuch. Der Blick Jesu ist verklärt und er starrt mit weit geöffneten Augen nach oben.

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Am Kreuz hängt Jesus. Im Tod zusammengesackt und den Kopf zu seiner Mutter gebeugt. Sie kann den betrübten Blick nicht von seinem Gesicht wenden. Auf der anderen Seite streckt Johannes seinem Freund die Hand in einer Segenshaltung entgegen. Nimmt man die andere in den Blick, scheinen sie beide nach oben fahren zu wollen, so als wolle Johannes die Hände aus Verzweiflung über den Kopf zusammenschlagen lassen.

13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß der Mutter gelegt

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Eine Frau, die zu Tode getroffen ist. Das ist die Pieta-Darstellung des Kreuzwegs. Maria hat den Blick auf den Leichnam ihres Sohnes versenkt und konzentriert sich auf ihr Kind. Liebevoll hat sie seinen linken Arm umfasst. Eine letzte zärtliche Geste für den Sohn, der in einer unnatürlichen Haltung auf dem Schoß liegt. Es sind weniger Wunden an seinen Körper zu sehen.

14. Station: Der heilige Leichnam Jesu wird in das Grab gelegt

© Pastoralverbund Hagen-Nord

Der Leichnam Jesu ist gesäubert und wird nur noch durch die fünf Kreuzeswunden gezeichnet. In ein Tuch gehüllt wird er von zwei nicht näher gekennzeichneten Männern in eine Grabhöhle gelegt. Einer wird Josef von Arimatäa sein, der sein Familiengrab zur Verfügung stellt. Ist die Person im roten Gewand Johannes, der kurz zuvor unter dem Kreutz gestanden hat oder eine ganz andere Person?

Der blaue Farbton des Grabes gibt einen Ausblick auf das kommende. Das Grab ist keine dunkle Höhle, sondern gibt einen Vorgeschmack auf die Weite des Himmels.